
copyright by Mohan S
Movies:
September 1: Carriers
September 2: Thirst
September 2: The final Destination 3D
September 3: IP Man
September 6: A film with me in it
September 7: Orphan
September 8: The Tournament
September 8: Blood: The last Vampire

Wir müssen uns München als freundliche Stadt vorstellen. Wann immer ich an der U-Bahntüre stehe und auf den nächsten Halt warte, wird mir dies aufs Neue bewusst. Dabei rede ich nicht von diesen glänzenden blauen U-Bahnzügen, die neuerdings den Münchner Untergrund befahren. Ich spreche von den älteren Modellen; jenen, die scheinbar mit der Zeit ihre Farbe verloren haben oder vielleicht niemals eine andere kannten als dieses verblichene Rotbraun fürs Sitzpolster und das vergilbte Holzimitat für die Wände. Wann immer ich in einem dieser 70er-Jahren-Züge am Ausgang stehe, bemerke ich an den beiden silbernen Türgriffen, die noch aus Zeiten der Maßlosigkeit stammen müssen, diese besondere Münchner Freundlichkeit: Denn zwei Griffe bräuchten diese Türen gar nicht. Betätigt man den einen Hebel, öffnet er die andere Türseite automatisch mit. Man erweist dem nebenstehenden Mitfahrer, der ebenfalls an der nächsten Station aussteigen will, also eine unvermeidliche Freundlichkeit, wenn man demonstrativ nach dem Hebel greift und anzeigt: Ich öffne die Türe für dich mit. Bei Zügen neuerer Bauart wird diese Tätigkeit auf einen einzigen leuchtenden Knopf reduziert. Dieser Knopf bietet aber nur Platz für einen Finger, es ist also klar: Es kann nur einer der beiden Wartenden drücken und die Tür öffnen. Da es im Angesicht der beiden silbernen Griffe aber die Möglichkeit gibt, dass beide hebelten, entsteht – das bilde ich mir jedenfalls ein – eine unausgesprochene Übereinkunft zwischen den beiden Reisenden, die um diesen Umstand wissen. Wer frühzeitig nach dem Hebel greift, sagt dem anderen damit: „Lass mal gut sein, ich kümmere mich um die Tür." Nicht-Münchner werden das vermutlich albern finden, es ganz sicher nicht verstehen.